Jahresbericht der Vector Stiftung 2025
Im digitalen Jahresbericht 2025 lernen Sie Projektpartner:innen der Vector Stiftung kennen, die aktuelle Herausforderung anpacken und gesellschaftlich relevante Lösungen entwickeln. Unsere Partner:innen füllen das Stiftungs-Motto „Gemeinsam Richtung Zukunft“ mit Leben.

Soziales Engagement

Bildung

Forschung
Vorwort
Als eine der größten TechStiftungen in Deutschland mit Fokus auf MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verknüpfen wir konsequent Technologie und Umweltthemen. Darüber hinaus setzen wir uns gegen Wohnungs- und Jugendarbeitslosigkeit ein.
2025 haben wir in unseren Bereichen Forschung, Bildung und Soziales Engagement insgesamt 11,6 Mio. Euro für gemeinnützige Zwecke ausgegeben. Allein in Stuttgart haben wir 2,4 Mio. Euro investiert und dazu beigetragen, unseren Arbeits und Lebensort ein wenig besser zu machen.
Die Stärkung der MINT-Bildung liegt uns vor allem an den allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg am Herzen. 532 Schulen haben schon von unserer Förderung profitiert.
Hier finden Sie eine Übersicht aller geförderten Schulen 2025.
Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre unseres Jahresberichts!
Wir über uns
Die 2011 gegründete, unternehmensverbundene Vector Stiftung hält 60 % der Anteile der Vector Informatik GmbH und finanziert sich über deren Dividende. Jährlich fördert sie rund 650 Projekte und Spenden mit etwa 12 Mio. Euro und hat seit ihrer Gründung über 100 Mio. Euro für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. Ihre Schwerpunkte liegen in technikwissenschaftlicher Forschung, MINT-Bildung sowie der Bekämpfung von Wohnungs- und Jugendarbeitslosigkeit.
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Fördersumme
seit 2011
Einblicke in unsere Förderbereiche
Forschung
Das menschliche Gehirn ist der effizienteste Rechner, den wir kennen. Es verarbeitet Informationen parallel, passt sich ständig an und benötigt dabei nur einen Bruchteil der Energie moderner Computer. Die Suche nach elektronischen Systemen, die dieses Prinzip nachbilden können – sogenanntes neuromorphes Computing – ist eines der großen Zukunftsthemen in der Grundlagenphysik und angewandten Forschung. Die Physikerin Prof. Dr. Martina Müller arbeitet mit Unterstützung der Vector Stiftung an der Universität Konstanz daran.
Im Mittelpunkt steht Hafniumoxid, ein Material, das bereits heute in der Mikroelektronik eingesetzt wird. Unter bestimmten Bedingungen kann es sich elektrische Zustände „merken“ – eine Eigenschaft, die es zu einem vielversprechenden Kandidaten für künstliche Synapsen macht. Solche Bauelemente sollen künftig die Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen nachahmen und damit lernfähige elektronische Schaltkreise ermöglichen.
Entscheidend für diese synapsenähnliche Funktion sind winzige Unregelmäßigkeiten im Material: Sauerstoffdefekte. Diese fehlenden Atome bestimmen, wie sich elektrische Signale verändern, verstärken oder abschwächen – ganz ähnlich wie Synapsen im Gehirn ihre Stärke anpassen. Die Herausforderung: Man kann diese Defekte nicht direkt sehen. Die zentrale Frage des Projekts lautete daher: Wie lässt sich das Unsichtbare messbar machen?
Die wissenschaftliche Arbeitsgruppe um Professorin Müller fand eine überraschend einfache Antwort: Nicht der Defekt selbst wird beobachtet, sondern seine Wirkung. Ähnlich wie Fußspuren im Schnee verraten, dass jemand vorbeigegangen ist, verändern Sauerstoffdefekte die elektronische Umgebung benachbarter Atome. Mit hochauflösenden Messmethoden konnten diese Spuren erstmals eindeutig identifiziert werden. Zudem zeigte sich, dass sich die Defekte gezielt einstellen lassen, etwa über die Temperatur bei der Herstellung der dünnen Schichten. Damit wird ermöglicht, das „Lernverhalten“ der künstlichen Synapsen kontrolliert zu beeinflussen.
Der Durchbruch gelang den Forschenden, weil sie die Materialien während ihres tatsächlichen Betriebs untersuchen konnten, also genau in dem Moment, in dem elektrische Schaltvorgänge im Inneren des Materials ablaufen. Dafür entwickelten sie spezielle Messaufbauten, mit denen sich solche schnellen elektrischen Schaltprozesse genau beobachten lassen. An großen internationalen Forschungsanlagen, wie dem Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg und dem MAX IV Laboratory in Lund (Schweden) konnten sie so zum ersten Mal sichtbar machen, wie sich winzige Bereiche im Material Hafniumoxid elektrisch ein- und ausschalten. Gleichzeitig war es möglich, die chemischen Eigenschaften dieser Bereiche zu analysieren.
Das Projekt zeigt, wie grundlegende Physik dazu beiträgt, elektronische Systeme zu entwickeln, die nicht nur rechnen, sondern lernen können. Es liefert damit wichtige Bausteine für eine neue Generation energieeffizienter, intelligenter Elektronik.
Bildung
Seit 2023 unterstützt die Vector Stiftung das Sprachförderprogramm „Sprache fürs Leben“ der aim – Akademie für Innovative Bildung und Management. Die aim hat das Programm 2006 ins Leben gerufen und seitdem an 190 Grundschulen im nördlichen Baden-Württemberg verankert. Im aktuellen Schuljahr 2025/26 werden mit „Sprache fürs Leben“ 3.285 Kinder gefördert.
Durch die Untertützung der Vector Stiftung erhalten zusätzlich bis zu 260 Kinder an weiteren zehn Grundschulen die Chance, ihre deutsche Sprachkompetenz zu stärken – und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Bildungsbiografie zu schaffen.
Die Johann-Peter-Hebel GMS Bretten ist eine dieser Schulen. Die dreizügige Gemeinschaftsschule mit rund 300 Schülerinnen und Schülern in der Primarstufe liegt in der Brettener Innenstadt. In der lebendigen, bunten Schulgemeinschaft lernen Schüler:innen aus vielen Ländern und unterschiedlichen Bildungshintergründen gemeinsam. Der Leitsatz der Schule lautet: „Werde zu deiner besten Version“.
Damit alle gemeinsam die Schulgemeinschaft prägen und sich einbringen können, leistet das Programm „Sprache fürs Leben“ einen wichtigen Beitrag:
Durch vier qualifizierte Sprachförderkräfte, praxisnahe Materialien und eine enge Verzahnung mit dem Schulalltag wird die Deutsch-Förderung individuell und wirkungsvoll gestaltet: Die Kinder lernen spielerisch, mit eingebauten Bewegungselementen und packenden Themen.
Insgesamt werden an der Johann-Peter-Hebel Gemeinschaftsschule rund 50 Kinder in 13 Fördergruppen im Anschluss an den Unterricht oder am Nachmittag gefördert. Ziel des Programms ist es, sprachliche Kompetenzen frühzeitig zu stärken und damit die Voraussetzungen für schulischen Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern. Sprache öffnet dabei nicht nur Tore zu Bildung, sondern auch zum Selbstvertrauen und zur sozialen Integration.
Soziales Engagement
Die Vector Stiftung fördert gemeinsam mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg den Aufbau von sechs „Housing First“-Projekten in Baden-Württemberg. „Housing First“, also die „Wohnung zuerst“, ist ein innovativer Ansatz aus der Wohnungslosenhilfe in den USA, der inzwischen europaweit umgesetzt wird und erwiesenermaßen hilft, Wohnungslosigkeit zu beenden.
Das Projekt richtet sich vorrangig an Menschen in verfestigter Wohnungslosigkeit mit multiplen Problemlagen. Diese Menschen erhalten durch Housing First eine Wohnung mit unbefristetem eigenem Mietvertrag und werden bei Bedarf sozialpädagogisch begleitet. Housing First unterscheidet sich damit von anderen Angeboten, bei denen die eigene Wohnung meist am Ende eines langen Weges steht und Notübernachtung, Aufnahmehäuser und betreute, zum Teil stationäre, Wohnformen durchlaufen werden. So dauert es meist Jahre, bis Betroffene wieder über eine eigene Wohnung verfügen können.
Housing First stellt dieses System auf den Kopf und die Wohnung mit eigenem Mietvertrag an den Anfang: Wenn die ständige Sorge um den eigenen Wohnraum wegfällt, können auch die eigenen Probleme und Herausforderungen angegangen werden.
Gerade die Wohnraumakquise braucht Geduld. Während einige Housing First-Projekte erfolgreiche Kooperationen mit Wohnungsunternehmen aufgebaut haben, setzt der Projektleiter von Housing First Herrenberg, Bennet Melcher, v.a. auf Privatvermieter:innen und sein großes Netzwerk. Da die Vermieter:innen in ihm einen verbindlichen Ansprechpartner haben, kann Bennet Melcher, der für das Projekt bei der Stadt Herrenberg angestellt ist, auch Sorgen und Ängste in Bezug auf die potenziellen Mieter:innen entkräften. Melcher vermittelt erfolgreich Menschen in Wohnraum, die seit Jahren in städtischen Notunterkünften leben und ohne ihn keine Chance hätten, auf dem freien Markt eine Wohnung zu finden.
Die Projektergebnisse geben dem Ansatz recht: Bis Ende 2025 haben die geförderten Housing First-Projekte bereits 100 Menschen in Wohnraum vermittelt und 50 Wohnungen für ihre Klient:innen akquiriert.
Auch im ländlichen Raum gelingt Housing First. So erzählt Julius-Alexander Rottach, Projektleiter des Housing First-Projekts von Dornahof und Arkade e.V. im zwischen Ulm und Bodensee gelegenen Schussental, wie sich die Gemeinden des Gemeindeverbands Mittleres Schussental zusammengeschlossen haben, um Housing First in ihrer Region zu verankern. Julius-Alexander Rottach berichtet, dass die eigene Wohnung oft der Beginn einer Positiv-Spirale ist und erzählt, wie nach der Vermittlung in Wohnraum bei einigen seiner Klienten eine Ausbildung und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung möglich wurden.
Sechs Modellprojekte sind 2024 in Baden-Württemberg gestartet:
- „Housing First Schussental“(Diakonieverband Dornahof & Erlacher Höhe e.V.) Ravensburg
- „Erst.Ein.zu:Hause“ (Stadt Herrenberg) Herrenberg
- „Housing First Heidelberg“ (Stadt Heidelberg) Heidelberg
- „Raus aus der Wohnungslosigkeit – rein in die Zukunft! (Hilfe zur Selbsthilfe gGmbH) Reutlingen
- „HILA – Housing First für Frauen“ (Diakonisches Werk Freiburg) Freiburg
- „Housing First Esslingen“ (Stadt Esslingen) Esslingen
Weitere Informationen zu Housing First finden Sie auf der Webseite des Sozialministeriums




Unser Jahresbericht zum Download

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