Wie Sozialstunden zu einer echten Chance werden
Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt kommen, müssen als erzieherische Maßnahme oft Sozialstunden ableisten. Doch nur den Hof zu kehren, bringt wenig. Wenn Jugendliche mit vielen Sozialstunden über Monate mit der Ableistung beschäftigt sind, bietet sich eine gute Chance, pädagogisch an ihren Zielen und Problemen zu arbeiten und damit Rückfallrisiken zu reduzieren.
Doch häufig passen Jugendliche und Einsatzstellen nicht zueinander und es wird keine pädagogische Begleitung angeboten. Transparenz, Wissensaustausch und gemeinsame Standards sind selten, so dass die Stunden wirkungslos verpuffen.
Um das zu ändern, hat die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft zusammen mit der Vector Stiftung das Projekt MATCH entwickelt. MATCH etabliert Standards für die sozialpädagogische Begleitung von Sozialstunden und vernetzt alle relevanten Akteure miteinander.
Alexandra Wolf hat als Koordinatorin von MATCH alle Fäden in der Hand: Je nach Alter, Stadtteil und Sozialstundenumfang vermittelt sie Jugendliche an eine von ca. 40 passenden Einsatzstellen. Über 300 waren es allein in 2025. Nicht jede Stelle passt zu jedem – durch ein professionelles Matching-System werden Angebote und Suchende optimal zusammengebracht. So kann Jugendarrest vermieden werden; Justiz und Jugendhilfe werden entlastet.
Alexandra Wolf stellt auch die erfolgreiche Vernetzung in Stuttgart sicher: Vertreter:innen der Jugendhilfe im Strafverfahren, der Gerichte und Staatsanwaltschaften sowie von Jugendamt und Jugendarrest, aus Wissenschaft und Praxis arbeiten in Netzwerkrunden und themenspezifischen AGs daran, Sozialstunden wirkungsvoller zu machen.
Pädagogisch begleitete Sozialstunden zeigen den Jugendlichen, dass sie etwas können: Manche reinigen Stolpersteine, andere nehmen an Workcamps teil und fertigen gemeinsam mit einem Schreiner Möbel für Jugendhäuser. Solche Erfahrungen fördern Demokratiebildung und die eigene Berufsorientierung. Alexandra Wolf erzählt von einem Jugendlichen, der beim Bau einer Holztreppe sein Talent für das Handwerk entdeckt hat. Nach einem erfolgreichen Praktikum in einer Schreinerei trat er die Ausbildung zum Tischler in einem Stuttgarter Handwerksbetrieb an.
Von geringen Rückfallquoten und erfolgreichen Bildungsverläufen profitiert wiederum die ganze Gesellschaft. Die Vector Stiftung hat den Aufbau von MATCH gefördert und begleitet. Ab 2026 wird das Projekt von der Stadt Stuttgart finanziert.



