12.05.2020

Verrückt? Na und! 

Fast 22 Prozent aller Kinder und Jugendlichen gelten nach Angaben des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys als psychisch auffällig. Früher wurde darüber wenig geredet, inzwischen rücken psychische Probleme von Jugendlichen immer mehr in den Blick. Das liegt auch an bundesweiten Projekten wie „Verrückt? Na und!“, das in Stuttgart von der Evangelischen Gesellschaft (eva) angeboten wird.

Bei „Verrückt? Na und!“ erfahren Schüler direkt von den Experten – Psychiatrie-Erfahrenen und sozialen Fachkräften – was es bedeutet, „verrückt“ zu sein. Obwohl dieses wichtige Projekt in Stuttgart seit 2007 angeboten wird und viele positive Rückmeldungen erhält, gibt es bisher keine geregelte Finanzierung dafür. Nun unterstützen sieben Stiftungen die eva dabei, den hohen Koordinations-Aufwand zu finanzieren. Die Bauder Stiftung, die LBBW Stiftung, die Lechler Stiftung, die Louis Leitz Stiftung, die Ott-Göbel-Stiftung, die Vector Stiftung und die Wolkenputzer Stiftung geben gemeinsam mehr als  57.000 Euro; dazu kommen Eigenmittel der eva sowie Zuschüsse des Vereins „Irrsinnig Menschlich“. „Wir freuen uns sehr darüber, dass das Projekt damit bis Ende 2021 gesichert ist“, sagt Kirsten Wolf von der eva. Sie koordiniert „Verrückt? Na und!“ seit dessen Start in Stuttgart.

Die Nachfrage nach den Präventions-Maßnahmen von „Verrückt? Na und!“ ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Immer mehr Lehrkräfte bemerken unter ihren Schülern belastete Jugendliche. Auch das Team, das die Projekttage durchführt, ist mit den Jahren gewachsen. Inzwischen arbeiten etwa zwanzig Ehrenamtliche als persönliche Experten mit. Sie kennen psychische Krankheiten entweder aus eigener Erfahrung oder aus der von Angehörigen. Dazu kommen fachliche Experten aus der Sozialpsychiatrie und dem Krisen- und Notfalldienst.

Jeweils ein Fachexperte und ein Experte in eigener Sache gestalten als Tandem einen Projekttag an Schulen. Mit Schülern ab 14 Jahren und jungen Erwachsenen sowie deren Lehrern tauschen sie sich offen über die großen und kleinen Fragen zur psychischen Gesundheit aus: Leistungsdruck, Mobbing, Trennung der Eltern, Krankheit in der Familie, Süchte, Zukunftssorgen… Was die Schüler besonders beeindruckt, ist das Gespräch mit den persönlichen Experten. Von ihnen erfahren sie, wie sich eine Depression oder eine Psychose anfühlt, wo es Hilfe gibt und was sie selbst, Freunde, Eltern und Lehrer tun können.

Neben den Schultagen sind bis Ende 2021 auch Workshops für Freiwilligendienstleistende, Fortbildungsveranstaltungen für Lehrende, Workshops für Konfirmandinnen, Konfirmanden und Auszubildende sowie für pädagogische Fachkräfte geplant. Und was passiert danach? „Wir hoffen, den Stuttgarter Gemeinderat davon zu überzeugen, dass die Stadt ab 2022 unser Projekt finanziell unterstützt“, erklärt Kirsten Wolf.

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